Mit dem September, insbesondere dem Herbstbeginn am 23., hält das Winterhalbjahr Einzug: Introspektion und Reflektion des Jahres, als auch ein Blinzeln in das, was im kommenden Jahr blühen soll.
Bevor es jedoch ans Eingemachte geht, breiten wir vor uns das aus, was ist und was wir (geerntet) haben. Wie verleben wir unseren Alltag bisher? Hat er Struktur, die uns bemächtigt? Wie kümmern wir uns um unsere grundlegenden Bedürfnisse wie Schlaf, Bewegung, Erholung und Ernährung sodass wir unser Leben munter und flexibel so gestalten und erleben können wie wir es uns vorstellen?
Auch wenn sich mein Schlaf (noch) nicht verändert hat, kümmere ich mich derzeit um bessere Schlafhygiene. Denn ich weiß, früher oder später machen sich die kleinen, so leicht zu entschuldigenden Angewohnheiten bemerkbar und dann wird es anstrengend. Und wie anstrengend das sein kann, habe ich dieses Jahr auf zwei unterschiedliche Arten zu spuren bekommen: im Frühjahr, und erneut im Frühsommer, dachte ich mich holt eine etwas andere Erkältung ein, bis sich herausstellte, daß ich eine (Gräser-) Allergie entwickelt habe. Die nächstes Jahr hoffentlich einen Bogen um mich macht, aber darauf setze ich dann doch nicht. Eine solche Erschöpfung habe ich noch nicht erlebt. Obwohl, so ungefähr fühlt man sich nach einem epileptischen Anfall – lass mich liegen, alles egal, nur noch schlafen, danke.
Das lässt keinen Raum wie bei einer Erkältung um zu entscheiden, daß diese und jene Arbeit etwas kürzer ausfällt, es sind schließlich nur ein paar Tage. Nein. Und dann kam die Sommerhitze, die sich in meiner Wohnung festsetzt als wollte sie mit mir bis ans Ende der Zeit zusammensein, sodass ich zwar nicht mehr mit der Allergieerschöpfung zu tun hatte, dafür ganz einfach weniger tiefen, erholsamen Schlaf.
Auch wenn beides Extremzustände sind, spielt mein Alter sicher ebenso eine Rolle und mein Körper erholt sich anders.
Zudem gehe ich allmorgendlich ins Fitnessstudio, reize meine Muskeln, baue Fett ab, und so gesund beide Vorgänge auf lange Sicht sind, brauchen sie vor allem eins: regenerierenden Schlaf.
Das Wunderbare an all dem ist, daß wir über die Zusammenhänge, Wechsel- und Auswirkungen sehr gut informiert sind. Wirklich einschneidende Veränderungen brauche ich nicht vornehmen, da ich meine Morgenroutine gewohnt bin (auch wenn sie über das letzte halbe Jahr sehr gelitten hat). Ich ziehe das Pferd also von hinten auf: in meiner Frühschichtwoche weckt mich sanfte Musik (Trick 17: Ton, Melodie oder Lied wählen, die das Aufstehen erleichtert) um 5 Uhr, in der Spätschichtwoche um 6 Uhr.
Damit ich gegen 21 Uhr wirklich in den Schlaf drifte, mache ich mich gegen 20 Uhr bettfertig. Eine letzte Runde durch die Wohnung, ein wenig ordnen, meine Sporttasche packen, 10 – 20 Minuten Yoga (manchmal geführt, manchmal still) und dann lese ich bei angenehm warmem, gedimmtem Licht vorzugsweise Romane. (Etwas, das nicht in dem Sinne Futter für mein Hirn ist, sonst habe ich Lust, mich damit länger zu beschäftigen, was kontraproduktiv ist – eine Herausforderung, mit der ich mich an anderer Stelle noch beschäftigen werde).
Und ja, da es für die innere Uhr am besten ist, wenn die Zeit des Aufwachens ungefähr ähnlich ist (Vorzeit & Notwendigkeit grüßt), kultiviere ich das nun auch am Wochenende. Ja, nochmal umdrehen ist gemütlich, aber das Fitnessstudio ist morgens so schön leer und ruhig und dann ist noch so viel Tag da, den ich zum Schreiben und Schaffen brauche. Ein Mittagsschlaf ist auch gemütlich.
Hinzukommt, daß Hunger- und Sättigungssignal (Ghrelin & Leptin) in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen können und nicht wild einfach irgendwie reagieren. Auch bleiben kognitive Fähigkeiten, Fokus und Konzentration, knackig und ich bin nicht erschöpft von kleinsten Einflüssen, die so in meine Entscheidungen krätschen, daß ich spätestens am Ende des Tages alles irgendwie mittelmäßig fand, oder gar schlimmer – und dann zieht sich das.
All das habe ich jahrelang, über ein Jahrzehnt, so gelebt und auch wenn ich überlebt habe, will ich nunmehr so viel Abstand zwischen dieses Vegetieren und mein achtsames, gewähltes Leben bringen wie mir möglich ist.
Derzeit trifft sich die Sonnenauf- sowie Untergangszeit mit meinen Morgen- und Abendroutinen als hätten sie sich verabredet. Diese Übergangszeiten im Jahreskreis finde ich auch daher mit die Schönste. Es fühlt sich einfach natürlich an. Leicht. Die beste Zeit für grundlegendes Neueinrichten im Alltag und Neuausrichten von Routinen.